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Campus Dösner Weg, Leipzig: Sport auf dem Dach

Campus Dösner Weg, Leipzig: Sport auf dem Dach

Schulen werden heute anders geplant. Vor allem in wachsenden Städten sind freie Flächen knapp. Grundstücke sind dicht bebaut und zusätzliche Sport- oder Aufenthaltsbereiche lassen sich auf dem Gelände oft kaum noch unterbringen. Gleichzeitig sollen Schulhöfe Bewegung, Begegnung und möglichst viel Grün bieten. Eine Lösung liegt deshalb auf dem Dach.

Auf dem Campus Dösner Weg im Südwesten von Leipzig entsteht eines der größten Schulneubauprojekte der Stadt. Das besondere Merkmal hier ist die Dachlandschaft der Sechsfeld-Sporthalle. In rund 6,50 Metern Höhe über dem Schulhof wurde eine intensiv nutzbare Sport- und Bewegungsfläche geschaffen. Über Treppen und eine großzügige Rampenanlage ist das Dach direkt und barrierefrei erreichbar. Es wird als Bolzplatz und Aufenthaltsbereich genutzt.

Das Schulensemble entsteht auf einem zentralen Entwicklungsgebiet südlich der Innenstadt in der Nähe des ehemaligen Bayerischen Bahnhofs in Leipzig. Auf dem weitläufigen Areal wird ein neues Stadtquartier mit Wohn-, Bildungs- und Freiraumnutzungen realisiert. 

Mit dem Campus Dösner Weg schafft die Stadt Leipzig hier eine Gemeinschaftsschule mit fünfzügiger Primarstufe sowie Gymnasial- und Oberschulzweig. Die innere Organisation folgt einem zeitgemäßen pädagogischen Konzept. Statt klassischer Flurstrukturen entstehen sogenannte Lernhäuser, in denen Unterrichts-, Differenzierungs- und Aufenthaltsbereiche zu funktionalen Raumclustern zusammengefasst sind. Und auch architektonisch wird der Anspruch sichtbar, denn die Fassade aus Holzwerkstoffen betont die nachhaltige Ausrichtung des Projekts. 

Sporthalle mit multifunktionalem Dach

Als erster Bauabschnitt entstand eine moderne Sechsfeld-Sporthalle im Passivhausstandard, die später an die Schule angebunden ist, aber auch unabhängig von ihr funktionieren kann. Die Halle ist in zwei Dreifeld-Einheiten gegliedert, die über einen gemeinsamen Zugangsbereich vom Campusvorplatz erschlossen werden. Neben der sportlichen Nutzung im Innenraum prägt insbesondere der Dachaufbau das Gebäude. Über eine großzügige Freitreppe sowie eine Rampenanlage wird die Dachfläche direkt erreichbar.

Die Dachlandschaft ist nicht nur als Aufenthalts- und Sportfläche konzipiert, sondern zugleich als Retentions-Gründach ausgebildet. Wie bei den übrigen Gebäuden des Ensembles übernehmen auch hier extensive Begrünung mit Sträuchern und Bäumen sowie integrierte Retentionsflächen wichtige Funktionen im Regenwassermanagement. 

Ende 2023 begannen die Bauarbeiten. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2026 geplant. 

Nutzdach mit hohen technischen Anforderungen

Der Untergrund des Baugeländes stellte eine besondere Herausforderung dar, denn Kriegstrümmer und aufgefüllte Schichten hatten das Bodenniveau erhöht, ohne einen tragfähigen, stabilen Baugrund zu bilden. Vor diesem Hintergrund wurden das Schulgebäude und auch die Sporthalle teilweise in das Gelände eingelassen. Die Sporthalle ist eingeschossig in den Boden eingebunden, wodurch Bauhöhe und Einbindung in das Quartier optimiert werden konnten. 

Charakteristisch für das Projekt ist der obere Gebäudeabschluss. Das intensiv genutzte Dach ist über den Serpentinenweg auf der Rampe erschlossen, und die Wegeführung dient gleichzeitig als Tribüne für Veranstaltungen im Schulhof.

Multipor Dach von oben
Passivhaus mit Aktivdach.
Serpentinenweg Multipor Dach
Der Serpentinenweg auf der Rampe dient gleichzeitig als Tribüne für Veranstaltungen.
Campus Dösner Weg Leipzig
Schulsport unter dem Dach, Freizeitsport auf dem Dach.

Auf der Dachfläche entstanden ein Bolzplatz, ein Basketballfeld, Trainingsbereiche, Tischtennisflächen sowie eine rund 200 m lange Laufbahn. Ergänzt wird die Nutzung durch extensive Begrünungsbereiche. Eine integrierte Zisterne ermöglicht die Brauchwassernutzung zur Bewässerung. Die Dachfläche ersetzt damit einen zuvor überbauten Sportplatz und steht nach Schulschluss auch der Öffentlichkeit zur Verfügung. 

Auch das Flachdach über der in die Gemeinschaftsschule integrierten Zweifeld-Sporthalle wurde als Nutzdach ausgeführt. Neben technischen Aufbauten trägt es eine extensive Begrünung sowie begehbare Bereiche mit hoher Aufenthaltsqualität und kann somit als zusätzlicher Pausenhof genutzt werden. 

Für die Planung zeichnete das Architekturbüro "wörner traxler richter planungsgesellschaft mbh" verantwortlich. Beide Nutzdächer erforderten einen technisch anspruchsvollen Dachaufbau. 

Maßgeblich dafür waren drei Faktoren:

die Ausführung der Gebäudehülle im Passivhausstandard, insbesondere im Hinblick auf die Wärmedämmung der Dächer, die Nutzung der Dächer als Nutzdächer mit hohen Anforderungen an die Trittfestigkeit sowie erhöhte Brandschutzanforderungen.

„Wärmedämmung, Druckfestigkeit und Unbrennbarkeit – diese hohen Anforderungen an den Bau, das Material und die Bauausführung ließen sich mit dem Dämmstoff unserer Wahl von Multipor mühelos erfüllen“, so Dipl.-Ing. Architekt A. Hendrik Sachse, Mitglied der Geschäftsführung des Architekturbüros. „Vor allem, weil die Dächer nicht nur sportlich genutzt werden, sondern durch die Begrünung nach Regen zusätzlich Wasser speichern müssen, brauchen wir eine Dämmung, die sehr druckfest und stauchungsfrei ist. Hier hat uns auch die Referenz Hellweg in Berlin überzeugt, wo ebenfalls auf dem Dach des Baumarktes ein Fußballplatz die Nachwuchskicker einlädt.“

Mineralische Dämmung für hohe Belastungen

Aus den definierten Anforderungen an Wärmeschutz, Druckfestigkeit und Brandsicherheit ergab sich die Wahl einer mineralischen Flachdachdämmung. Zum Einsatz kamen Multipor Mineral­dämmplatten TOProof-F M3. Mit einer Wärmeleitfähigkeit von λ = 0,045 W/(mK) erfüllen sie die energetischen Zielvorgaben des Projekts im Passivhausstandard. Gleichzeitig bieten sie eine hohe Druckfestigkeit (300 kPa) und sind damit für dauerhaft belastete Nutz- und Retentionsdächer geeignet. Für öffentlich genutzte Gebäude sind erhöhte Anforderungen an den baulichen Brandschutz einzuhalten. Die eingesetzten Mineral­dämmplatten sind nicht brennbar und entsprechen der Baustoffklasse A1. Damit tragen sie zur brandschutztechnischen Sicherheit des Dachaufbaus bei. Darüber hinaus werden Multipor Mineral­dämmplatten TOProof aus den natürlichen und mineralischen Grund- und Rohstoffen Sand, Kalk, Zement und Wasser hergestellt und sind faserfrei, sowie frei von Schadstoffen. Diese Materialeigenschaften unterstützen das nachhaltige Gesamtkonzept des Campus.

Planungs- und Ausführungssicherheit

Ergänzend zu den Produkten bot Xella umfassende Serviceleistungen an. Dazu zählte nicht nur die Beratung vor Ort durch den Multipor Ansprechpartner Jens Hanschmann, sondern auch die Unterstützung bereits in der Planungsphase durch objektbezogene Leistungen der Multipor Anwendungstechnik. Das schloss die Erstellung detaillierter Gefällepläne für die jeweiligen Dachflächen sowie die werkseitige Vorbereitung des individuellen Plattenzuschnitts ein, der im Schnitt rund 180 mm dicken Platten, auf Basis der Ausführungsplanung. Ergänzend erfolgte die objektspezifische Windsogberechnung nach DIN EN 1991-1-4. Damit wurde die Befestigungs- und Aufbausicherheit unter Berücksichtigung der örtlichen Windlastzonen rechnerisch abgesichert. 

Vor Beginn der Verlegearbeiten erfolgte zudem eine Einweisung der ausführenden Dachdecker vor Ort durch einen Vorführmeister aus dem Hause Xella. 

Multipor-Fläche mit Heißbitumen
Zwei Lagen Multipor TOProof in Heißbitumen eingebettet.
Multipor-Fläche mit Heißbitumen
Bereit für extensiv begrünte und intensiv genutzte Flächen: durchwurzelungsfeste Oberlage der Bitumenabdichtung.
Multipor-Fläche mit Heißbitumen
Zwei Lagen Multipor TOProof in Heißbitumen eingebettet.
Multipor-Paletten auf dem Flachdach.

Dachaufbau

Die Ausführung des Dachs übernahm der Leipziger Dachdeckerbetrieb M. Mieth Bedachungen und Bau GmbH. Bauleiter Jörg Nabroth und seine Kollegen fanden auf dem 3.100 m²-Dach der großen Sporthalle einen Betonuntergrund vor, dessen Oberflächenbeschaffenheit es notwendig machte, die Fläche erst einmal abzuschleifen. Nach der Reinigung wurde ein Bitumenvoranstrich aufgebracht und darauf eine bituminöse Dampfsperrbahn verlegt. Für den ersten Teil der energetischen Nachhaltigkeit sorgten als Grunddämmung Multipor Mineral­dämmplatten TOProof-F M3 in einer Dicke von 180 mm, eingelegt in Heißbitumen. Die Verlegung erfolgte im Verband. Die Dämmplatten wurden dicht gestoßen. Zuschnitte im Anschluss an aufgehende Bauteile konnten einfach mit dem Fuchsschwanz erfolgen. Überzähne bei der Verlegung von Graten, Kehlen oder aufgrund von Unebenheiten im Untergrund wurden mit einem Schleifbrett bearbeitet. Als zweite Lage kamen als Gefälledämmung Multipor Mineral­dämmplatten TOProof-S M3 zum Einsatz, deren Elemente gemäß Gefälleplan werkseitig vorgeschnitten waren und entsprechend verlegt wurden. Die Gesamtdicke der Dämmung variierte zwischen einer Mindesthöhe von 322 mm und einer maximalen Höhe von 388 mm, so dass es zu einer mittleren Gesamtdicke inklusive Grunddämmung von 341 mm kam. Daraus resultiert allein für die Dämmung ein U-Wert von 0,138 W/(m²K). 

Schwammstadt-Konzept

Die Dachfläche wurde als Retentionsdach ausgeführt und damit als objektspezifische Sonderkonstruktion geplant. Abweichend von der üblichen Ausbildung gemäß Flachdachrichtlinie mit einem Gefälle von mindestens 2 % wurde hier ein Gefälle von 0,5 % umgesetzt. 

„Auf diese Weise war der verzögerte Abfluss des Niederschlagswassers und damit die Staunässe gesichert, die zum einen der Bewässerung der Extensivbegrünung dient und zum anderen die Überlastung der Kanalisation verhindert“, so Dipl.-Ing. Sachse.  

Die Dachabdichtung führten die Dachdecker zweilagig mit Bitumendachbahnen aus, wobei die obere Lage wurzel- und rhizomfest ausgelegt wurde, um anschließend neben dem Sportplatzaufbau für den Sportbelag einen Gründachaufbau für Stauden und Sträucher zu ermöglichen. 

Spätestens zum Schuljahr 2026/27 können die bis zu 1.600 Schülerinnen und Schüler des Campus das neue Sportdach nutzen. 

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