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12.01.2024

Sanierungen eines alten Bauernhauses mit Multipor

Innendämmung mit Multipor - Dachboden ist nach der Sanierung ein modernes Atelier

Im Jahr 2007 erwarben die Architekten Cilia und Hendrik Tovar eine alte Hofreite im Frankfurter Stadtteil Bergen. Das Haupthaus, ein schlichtes hessisches Dorfhaus aus dem Jahr 1850, überzeugte sie mit einem Grundriss von etwa 7 mal 10 Metern, einer charakteristischen Biberschwanzdachdeckung, verputztem Mauerwerk und breiten Fenstergesimsen. Obwohl es keine spektakuläre Architektur aufwies, erkannten die Tovars den besonderen Charme des Gebäudes und waren entschlossen, diesen sorgsam zu bewahren.

Bei der Modernisierung des Haupthauses behielten die Architekten die Grundrisse weitgehend bei, optimierten sie aber durch gezielte Eingriffe, um damit heutigen Wohnansprüchen und neuen Funktionen gerecht zu werden. Die Raumaufteilung zur Straßenseite hin blieb unverändert, durch die Entfernung von Trennwänden im Erdgeschoss entstand jedoch auf der Südseite ein großer zusammenhängender Wohnraum, der sich über die gesamte Fassadenbreite erstreckt und eine direkte Verbindung zum Garten herstellt. Zudem bauten sie die Zwischendecke im Dachgeschoss zurück, sodass der Dachraum komplett in einen nutzbaren Wohnraum umgewandelt werden konnte. Dabei erhielten die Tovars bewusst die Treppen und Holzbalken als Zitate vergangener Zeiten. Die alten Holzdielenböden im Haus wurden sorgfältig überarbeitet und ergänzt, während der Boden im Erdgeschoss mit unbehandelten Lärchendielen neu aufgebaut wurde.  

Die Architekten entschieden sich dafür, die ortsprägende straßenseitige Fassade mit ihren markanten Fensteröffnungen und Gesimsen zu erhalten. Im Gegensatz dazu befand sich die zum Hof ausgerichtete Südfassade in einem schlechten Zustand aufgrund von Anbauten, einem Außenschornstein und zugemauerten Fensteröffnungen. Um die räumlichen Veränderungen im Gebäudeinneren auf der Südseite auch außen abzubilden, wählten die Tovars eine andere Gestaltung für die Gartenfassade im Vergleich zu den übrigen drei Ansichten: Große neue Holz-Aluminium-Fenster wurden in die Fassade eingefügt. Sie sitzen bündig in der Fassade und öffnen nach außen. Zusätzlich erhielt die Gartenseite eine unbehandelte, vertikale Lärchenholzschalung, die in der Konstruktionsebene gedämmt ist. An den übrigen drei Fassadenseiten sollte der ursprüngliche Charakter des Hauses ablesbar bleiben. Dazu wurde zunächst der hohlliegende Kunstharzputz komplett entfernt, das Backsteinmauerwerk freigelegt und mineralisch geschlämmt.  

Da ein Wärmedämmverbundsystem nicht gewünscht war, wählten die Architekten eine mineralische Dämmung mit Multipor Mineral­dämmplatten auf der Gebäudeinnenseite. Kapillaraktive Dämmplatten wie Multipor haben drei entscheidende bauphysikalische Eigenschaften: Sie sind wärmedämmend, diffusionsoffen und können Wasser schon bei geringen Feuchtegehalten in flüssiger Form transportieren. Im Gegensatz zu Kunststoff- oder Mineralfaserdämmplatten nimmt die Multipor Mineraldämmplatte anfallendes Tauwasser auf, anschließend gibt sie es durch natürliche Austrocknung des mineralischen Materials wieder an die Raumluft ab. Im gesamten Wohnhaus wurden alle Putze und Anstriche auf Kalkbasis ausgeführt, wodurch der gesamte Wandaufbau dampfdiffusionsoffen ist. 

„Das System hat uns so überzeugt, dass wir es auch bei anderen Projekten weiterempfohlen haben.“
Hendrik Tovar
Architekt

Das Ergebnis der Modernisierung ist ein gelungener Balanceakt zwischen Alt und Neu. Das Gebäude behält seine historische Identität bei, während gleichzeitig eine hohe Wohnqualität mit einem effizienten Einsatz von gestalterischen, materiellen und finanziellen Ressourcen erreicht wird.  

Besonders hervorzuheben ist, dass das Innendämmsystem und der gesamte Außenwandaufbau seit der Modernisierung im Jahr 2007 bestens funktionieren: Nirgendwo im Haus gab es Feuchtigkeitsschäden durch Schimmel. Der Einsatz von Multipor hat also nicht nur dazu beigetragen, die Architektur des Altbaus zu erhalten, sondern auch die Wohnqualität auf lange Sicht zu sichern. Die Tovars sind äußerst zufrieden mit dem Resultat, das dank der sorgfältigen Planung und Umsetzung einen harmonischen Übergang zwischen Tradition und zeitgemäßen Wohnansprüchen schafft. Und sie leisten damit einen wertvollen Beitrag zur Baukultur, denn auch der historische Straßenzug im Frankfurt Stadtteil Bergen behält einen seiner wertvollen Bausteine. 

„Wenn wir jetzt - 15 Jahre später - zurückblicken, sehen wir, dass es tatsächlich eines unserer nachhaltigsten Projekte ist – sowohl was den Energieverbrauch angeht als auch den Einsatz der Materialien und die Kosten für die Planung und den Bau.“
Hendrik Tovar
Architekt

Cilia und Hendrik Tovar geben in unserem Gespräch Einblicke darüber, wie sie die Herausforderungen der Sanierung gemeistert haben und warum ihre Wahl für die Innendämmung mit Multipor sich als äußerst erfolgreich erwies.

Interview Cilia und Hendrik Tovar, Architekten

Wie war der Zustand des Hauses, als Sie es zum ersten Mal sahen? Und was hat Sie dazu bewogen, sich gerade für dieses spezielle Objekt zu entscheiden?

Hendrik Tovar: Als wir das Haus zum ersten Mal besichtigt haben, waren wir sofort begeistert von seinem Potenzial, obwohl es in einem ziemlich heruntergekommenen Zustand war. Es stand längere Zeit leer und war weder innen noch außen renoviert worden. Aber unser erster Eindruck war, dass das Haus hervorragende Proportionen hatte und eine hohe Qualität in seinen dicken, massiven Ziegelwänden steckte. Insgesamt hat es sich perfekt in die dörfliche Umgebung eingefügt und war seit seinem Bau fast unverändert geblieben. Trotz einiger sichtbarer Spuren des Verfalls hatten wir das Gefühl, dass das Haus einen authentischen und unverfälschten Charakter besitzt, den wir unbedingt erhalten wollten. 

Cilia Tovar: Was uns an diesem Projekt auch gereizt hat, war die Möglichkeit, viele Arbeiten selbst zu erledigen. Im Gegensatz zu heutigen Bauweisen, die oft sehr komplex sind, ist ein solches Haus einfach und nachvollziehbar gebaut. Diese Einfachheit schätzen wir sehr, und wir wollten sie auch bei der Sanierung beibehalten. Unser Ziel war es, das Haus auf eine einfache und ehrliche Weise zu erneuern, ohne es mit zu viel Technik zu überladen. Natürlich haben wir die notwendigen Installationen wie Heizung und Elektrik eingebaut, aber wir haben sie so einfach wie möglich gestaltet. Durch diese Reduktion auf das Wesentliche konnten wir auch die Kosten deutlich reduzieren. 

Warum haben Sie eine Innendämmung mit Xella Multipor gewählt?

Cilia Tovar: Wir wollten die Fassade des Hauses, besonders ihre charakteristischen Fenster und Gesimse, erhalten. Deshalb haben wir uns gegen ein Wärmedämmverbundsystem entschieden und stattdessen für eine Innendämmung. Viele Leute haben uns damals gewarnt und meinten, die Innendämmung sei bauphysikalisch problematisch. Aber wir waren immer auf der Suche nach einfachen Bautechniken. Und dann sind wir auf Multipor gestoßen, ein damals noch recht neues Produkt auf dem Markt. Bauphysikalisch war dieses mineralische Dämmsystems für uns genau richtig. Unser Grundgedanke war nämlich, nur diffusionsoffene Materialien zu verwenden, die Feuchtigkeit aufnehmen und zeitversetzt wieder abgeben. Deshalb haben wir Multipor als Innendämmung verwendet, und auch alle Putze und Anstriche sind auf Kalkbasis. Das heißt, der gesamte Wandaufbau ist dampfdiffusionsoffen. Das System hat uns so überzeugt, dass wir es auch bei anderen Projekten weiterempfohlen haben. 

Können Sie uns mehr über den Nachhaltigkeitsaspekt Ihres Projektes erzählen? Welche Rolle spielt das Verständnis von Baustoffen und Konstruktionen in Ihrem Ansatz?

Hendrik Tovar: Als wir vor 15 Jahren mit diesem Projekt begannen, war uns die Nachhaltigkeit bereits ein wichtiges Anliegen. Wenn wir jetzt zurückblicken, sehen wir, dass es tatsächlich eines unserer nachhaltigsten Projekte ist – sowohl was den Energieverbrauch angeht als auch den Einsatz der Materialien und die Kosten für die Planung und den Bau. Als Architekten stehen wir zunehmend vor der Frage, wie wir mit dem Gebäudebestand umgehen sollen. Viele Wohnhäuser sind mittlerweile 50 Jahre alt oder älter, und wir müssen uns überlegen, wie wir sie energetisch so instandsetzen können, dass diese Sanierung nachhaltig vorhält. Wenn man bei der Altbausanierung jedoch die Leistungen eines Neubaus erwartet, ist das wirtschaftlich kaum zu erreichen. Zum Beispiel ist das Einbringen von Hightech viel aufwendiger. Aber wenn man ein bisschen von seinen Ansprüchen zurückschraubt, dann kann es auch wirtschaftlich funktionieren. Man sollte sich als Bauherr oder Architekt intensiv mit den Materialien auseinandersetzen, ihre Eigenschaften verstehen und sie bestmöglich nutzen. Ich glaube, dass dieses Verständnis von Materialien und Konstruktionen uns ermöglichen kann, flexibler und ressourcenschonender zu bauen. Es ist wichtig, dieses Wissen in den Vordergrund zu stellen. Es gibt viel ungenutztes Potenzial, effizienter und nachhaltiger zu bauen, doch dafür müssen wir uns von starren Vorgaben lösen und mehr auf das Fachwissen und die Kreativität der Experten in diesem Bereich vertrauen. 

Cilia und Hendrik Tovar, herzlichen Dank für die spannenden Informationen zu Ihrem Projekt!

Podcast

Alexandra Busch, Journalistin für Architektur und Bautechnik, hat die Architekten Cilia und Hendrik Tovar als Gäste zu ihrem Architektur-Podcast "Architektourist" eingeladen. Die Tovars berichten von ihrem Sanierungsprojekt des alten Bauernhauses, was sie als ihr bislang nachhaltigstes Projekt überhaupt betrachten.

Jetzt reinhören. 

Auch auf Spotify verfügbar:

https://open.spotify.com/episode/1TT5a5mEaxsQSFz5hlKVYq?si=5e16611aa94740c3

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